Presseerklärung

Garbsen, den 06.05.2008

Anlässlich der vom Niedersächsischen Kultusministerium beabsichtigten "Umwandlung" des Unterrichtsfaches Werte und Normen in ein philosophisches Unterrichtsfach Ethik, erklärt die Vorsitzende des Fachverbandes Werte und Normen in Niedersachsen e.V. Dr. Christel Hasselmann:

"Wenn es um Werteerziehung geht, um Friedenserziehung, um den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen, um Umweltschutz, um Gewaltprävention und Integration, um eine Erziehung gegen Rechtsextremismus, dann ist in Niedersachsen insbesondere das seit Jahrzehnten bestehende Unterrichtsfach Werte und Normen gefragt. Unverzichtbar als Schlüsselqualifikation unseres Jahrhunderts ist die Vermittlung interreligiöser Dialogkompetenz und ein religionskundliches Basiswissen auf weltanschaulich neutraler Grundlage. Das niedersächsische Unterrichtsfach Werte und Normen leistet dies.

Der Fachverband Werte und Normen erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen das Niedersächsische Kultusministerium, das unter Missachtung der gültigen Rechtsvorschriften (§ 128 NSchG) das Unterrichtsfach Werte und Normen in das philosophische Fach Ethik umwandeln will. Und das geschieht in aller Stille - ohne Anhörungsverfahren - durch die Absicht des Kultusministeriums die Einheitlichen Prüfungsanforderungen für die Abiturprüfung des Faches Ethik (EPA-Ethik) für Werte und Normen zu übertragen. Damit entsteht in Niedersachsen ein neues Unterrichtsfach Ethik und das interkulturelle und interreligiöse Fach Werte und Normen wird es dann nicht mehr geben. Denn gleichzeitig wird durch entsprechende Rechts- und Verwaltungsvorschriften, die zurzeit in der Anhörung sind, das Fach Philosophie in die Sekundarstufe I eingeführt (durch eine Fußnote!). Das ist aus unserer Sicht ein unerhörter Vorgang, den Ministerialrat Rolf Bade, zugleich Mitglied der Synode der EKD und der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, initiiert hat.

Da bei zwei Ersatzfächern zu Religion eines zu viel ist, ist naheliegend, dass das Kultusministerium es genauso wie 1993 handhaben und beide Fächer zu einem zusammenlegen wird - dann zum Fach Ethik. (Damals waren es die Fächer Religionskunde und Werte und Normen.).

In der Schule entscheiden sich die zukünftigen Verhältnisse des Zusammenlebens von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen. Das Unterrichtsfach Werte und Normen leistet hierzu einen wertvollen Beitrag. Das Unterrichtsfach ist zu kostbar, um als Spielball der Interessen der Kirchen instrumentalisiert zu werden. Es muss als Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von ihrer Herkunft und Religion eingerichtet werden. Wir appellieren an die Abgeordneten aller Parteien bildungspolitische Verantwortung zu tragen und sich dafür einzusetzen."